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08. September 2010, 23:31:29


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Autor Thema: [15. Jh. Brüssel] Der Kuss des Einhorns - Tracy Chevalier  (Gelesen 286 mal) Durchschnittliche Bewertung: 0
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Nerolaan
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« am: 17. November 2008, 21:16:48 »

Paris im Jahre 1490: der Maler Nicolas des Innocents erhält den Auftrag des Hofbeamten Jean Le Viste fünf prächtige Tapesserien für seinen Saal zu gestalten. Ursprünglich wollte Le Viste die große Schlacht von Nancy auf den Teppichen sehen, doch durch eine List gelingt es seiner Frau, dass nicht die Schlachten die Tapesserien schmücken, sondern die Verführung eines Einhorns.
Und so macht sich Nicolas an die Arbeit und nutzt die Teppiche seine Gefühle für Le Vistes Tochter Claude zu verewigen.
Doch Claude wird in ein Kloster geschickt, um eine Verbindung mit Nicolas  zu verhindern, denn Claude soll jemanden ihres Standes heiraten.
Und so vergehen zwei Jahre, zwei lange Jahre in denen auch alle fünf Tapesserien gefertigt werden.

Am Anfang kam ich nur sehr beschwerlich in das Buch hinein, weil ich es zum einen ständig mit Das Mädchen mit dem Perlenohrring der Autorin verglichen habe, aber auch weil mir die beiden Protagonisten Nicolas und Claude relativ unsympathisch waren.
Vor allem der Maler Nicolas schafft es, den Leser leicht zu vergraulen, denn der junge Maler denkt bei jeder sich bietenden Gelegenheit nur an Sex und nimmt – es wirkt zu mindestens so – wahllos jede Frau mit ins Bett. Und so ist es auch fast kein Wunder, dass er sich an Claude Le Viste – Tochter seines Auftraggebers – ebenfalls ran macht. Das Verhalten der 14 jährigen Claude, die sich auch sofort in Nicolas verliebt, trägt auch nicht gerade dazu bei, sie mehr zu mögen.

Doch an dieser Stelle ist der Klappentext etwas irre führend. Er suggeriert, dass es sich in dem Roman hauptsächlich um die unglückliche Liebe von Claude und Nicolas drehen wird. Doch die Liebesgeschichte ist nur ein Aspekt des Ganzen.

Während der Herstellung der Tapesserien verweilt Nicolas oft in Brüssel um die Arbeiten zu überprüfen und Claude kommt in der Zeit ins Kloster.
In Brüssel trifft Nicolas die Wirkerfamilie, die die Teppiche herstellen wird und das Leben mit dieser Familie wird zum Schwerpunkt der Geschichte.
Auch hier fühlt sich Nicolas wieder von den Frauen der Familie angezogen. Besonders die blinde Tochter Alienor hat es dem Maler angetan.

Meine Abneigung gegen Nicolas wurde im Verlauf der Geschichte immer weniger, auch, weil sie immer unwichtiger wurde.
Viel mehr drängten sich die Frauen in den Vordergrund mit ihren Wünschen, Sehnsüchten und Gefühlen. Und das sind nicht nur Claude und Alienor, sondern auch deren Mütter.
Nicolas verarbeitet seine Gefühle und seine Gedanken zu den Frauen in den Wandteppichen und so wird jede auf ihre Weise verewigt.
Es war das Leben dieser Frauen, das mich berührte. Obwohl alle in unterschiedlichen Ständen geboren wurden, sind alle miteinander durch die ihnen auferlegten Zwänge, unerfüllter Liebe und Wünschen miteinander verbunden.

Das Buch wird aus der Perspektive mehrerer Personen erzählt; jedes Kapitel aus der Perspektive eines anderen Charakters. Das ist gerade am Anfang sehr verwirrend, aber auch das legt sich mit der Zeit. So wird die Erzählperspektive zum interessanten Vermittler zwischen Leser und Geschichte.

Der Kuss des Einhorns ist eine schöne Geschichte über ein reales Kunstwerk, bei der man das Gefühl hat, das sie so tatsächlich hätte passieren können.



« Letzte Änderung: 18. November 2008, 09:53:04 von Cait » Gespeichert

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« Antworten #1 am: 20. November 2008, 00:37:11 »

Ich habe das Buch vor ca. 3 Jahren gelesen und fand es richtig toll!
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Nerolaan
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« Antworten #2 am: 20. November 2008, 10:14:50 »

Ich fand es auch angenehm zu lesen.
Bis jetzt kenne ich ja nur das und Das Mädchen mit den Perlenohrring und letzteres ist eindeutig mein Favorit. Ich komme heute noch ins schwärmen, wenn ich an das Buch denke  verliebt
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« Antworten #3 am: 09. Dezember 2008, 13:00:36 »

   Verlag: List; ISBN: 978-3471772713
Seiten: 316
Ausgabe: Hardcover
ET: Auflage: 1 (2004)
Preis: € 22,00

Inhalt:
Eine Serie von sechs kunstvollen Tapisserien. Das Rätsel ihrer Entstehung. Und die Geschichte eines Mannes, der durch seine Kunst die Liebe lernt.
In ihrem neuen Roman erzählt Bestsellerautorin Tracy Chevalier eine faszinierende Geschichte voll sinnlicher Details um die Macht von Kunst, Schönheit und die geheime Kraft menschlichen Begehrens.

Meine Meinung:
Vor einigen Wochen bin ich wiedermal in den Remittentenladen am Frankfurter Hauptbahnhof eingefallen und habe dort ein Büchlein entdeckt, dass mich schon länger reizt: „Der Kuss des Einhorns“ von Tracy Chevalier. Das Buch erzählt die Entstehungsgeschichte des berühmten Wandteppichs „Die Dame und das Einhorn“, der Ende des 15. Jahrhunderts im Auftrag der Familie Le Viste gefertigt wurde. Die Aufbereitung des Buches (ich habe das Hardcover) ist wundervoll. Ich liebe ja bekanntlich solche Specials wie Landkarten, Personenregister und Nachwort des Autors und hier wurden dem Leser als besonderes Schmankerl die wichtigsten Ausschnitten der sechs Wandteppiche auf ausklappbaren Seiten mitgeliefert. Das war wirklich ein wunderbarer Einfall, hätte aber in meinen Augen noch besser umgesetzt werden können, wenn die aufklappbaren Seiten anders eingefügt worden wären. Wenn man wie ich sich die Drucke und damit die Details der Wandteppiche ansehen will und das möglichst ohne lästiges Umblättern, dann fällt leider auf, dass man im aufgeklappten Zustand der Seiten leider nur die Rückseite und nicht die Abdrucke selbst sieht, sprich ich muss die ausklappbaren Seiten doch irgendwie umdrehen bzw. zurückblättern. Das hätte man meiner Meinung nach geschickter machen können, auch wenn ich es dem Verlag grundsätzlich schon hoch anrechne, dass die Abbildungen überhaupt mitgeliefert worden sind.

Mit dem Einstieg in den Roman bin ich nicht wirklich zufrieden. Es wird zwar nicht lange gefackelt,  so dass man gleich in die Handlung rein geschmissen wird und von dem Auftrag von Jean Le Viste an den Maler Nicolas erfährt, die Vorlage für einen sechsteiligen Wandteppich zu entwerfen. Vermutlich muss man als Autorin bei einem grade mal 317-Seiten dicken Buch auch schnell in die Pötte kommen, aber mir ging das eindeutig zu schnell. Ich hätte z.B. gerne mehr Zeit mit den Figuren gehabt um sie erstmal richtig kennenzulernen. Zu Nicolas hatte ich hatte von Anfang an eine Antipathie, weil die Autorin ihn direkt als notgeilen Dreckskerl darstellt, der hinter jedem Rockzipfel her ist und sich einen feuchten Kehrricht drum schert, was mit den Frauen passiert, die er benutzt hat. Durch dieses erste Bild, dass ich mir von Nicolas geschaffen habe, hat er nie wieder eine ernsthaft Chance bei mir bekommen können, auch wenn er zwischenzeitlich einen Funken Menschlichkeit und Herzlichkeit zeigte. Auch seine ständigen zweideutigen Gedanken, die er beim Entwerfen der Wandteppiche hegt, von wegen Jungfrau und das Einhorn, das sein Horn in den Schoß der Jungfrau legt…das mag ja bei der ersten Anspielung noch zum Schmunzeln anregen, aber irgendwann wirkt es einfallslos. Zudem finde ich seine ach so schnelle Verliebtheit gegenüber Claude ziemlich widersprüchlich zu seinem sonstigen Charakter und wirkt dadurch auf mich einfach nicht rund.

Auch mit seiner Angebeteten Claude le Viste kann ich nichts anfangen. Sie ist mir zu frühreif. Ich kann ja verstehen, wenn sie aus der Rolle, die ihre Eltern für sie vorgesehen haben, ausbrechen will und das Abenteuer sucht, und es mag auch eine erfrischende Abwechslung sein zu den sich ewig zierenden Jungenfrauen, aber dennoch, ich hätte auch sie gerne erst mal besser kennengelernt, als dass ich gleich beobachten muss, wie sie als Tochter aus guten Haus mit dem Maler unterm Tisch verschwindet. Sie geht mir an ihr Vergnügen echt viel zu unbedarft heran, es hat den Anschein, als ob ihr die Familie, deren Ruf sowie ihr eigener Ruf und ihre  Zukunft total egal wären und als ob sie nicht ein Fitzelchen über all das nachdenkt, was sie in dieser Situation riskiert. Allerdings gewinnt sie im Laufe des Buches an wenig an Sympathien, als sie sich um die kleine Claude im Kloster kümmert, wenn auch später selbst dies nicht mehr ohne Hintergedanken.

Wesentlich besser als der Erzählstrang um Claude und Nicolas haben mir die Abschnitte um die Teppichwirker-Familie de la Chapelle in Brüssel gefallen. Hier konnte man als Leser unendlich viel familiäre Herzlichkeit und Atmosphäre miterleben und genießen. Hier habe ich vor allem die blinde Tochter Aliénor in mein Herz geschlossen. Ich bewundere ihre Stärke und ihren Eigensinn, wie sie mit ihrem Schicksal umgeht und ihre Zukunft selbst in die Hand nimmt. Ich habe mich sehr für sie gefreut, dass ihr Leben so auszugehen scheint, wie sie es sich verdient hat, selbst wenn sie dieses Glück vielleicht erst noch verstehen lernen muss. Neben den Figuren der Familie, fand ich es aber vor allem wunderbar, den „lissiers“ bei ihrer Arbeit über die Schulter schauen zu können. Das fing prinzipiell schon bei den ersten Entwürfen von Nicolas an. Wie er dann zusammen mit den Brüsseler „lissiers“ aus seinen Entwürfen Wandteppiche gestaltet hat und wie diese sich immer weiter und weiter entwickelt haben, war wundervoll zu beobachten. Der Anblick der fertigen Tapisserien am Ende muss schon ein toller Augenblick auch für Nicolas gewesen sein, vor allem wenn man wie er oder auch wie wir Leser die einzelnen Gesichter und die dazugehörenden Geschichten der Figuren doch alle kennt, das war für mich wiederum ganz großes Kino. Schade, ich glaube inzwischen wirklich, dass mir das Buch besser gefallen hätte, wenn sich die Autorin mehr Zeit für die Figuren und die Geschichte der Figuren gelassen hätte, denn erzählen kann sie, wie man an der Entstehung der Wandteppiche deutlich merkt. Außerdem lässt sich das Buch auch wunderbar leicht und flüssig lesen, wenn nur die Figuren und deren Geschichten nicht so flach gewesen wären. Die Rolle von Beatrice habe ich zum Beispiel überhaupt nicht verstanden und auch was letztlich ihre Hochzeit sollte. Entweder die Autorin macht mir das deutlich, oder sie lässt es besser weg, denn so wirkt es auf mich nicht rund und irgendwie unausgegoren.

Leider muss ich sagen, dass ich von dem Buch deutlich mehr erwartet habe, vor allem weil ich schon so viel Gutes über die Autorin und ihre Bücher (vor allem „Das Mädchen mit dem Perlenohrring“) gehört habe. Da haben die ständigen Perspektivwechsel nach jedem Kapitel und doch einige Rechtschreibfehler leider nur noch ihr Übriges dazu beitragen können.

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