Bernstein - damit verband ich Schmuck für Omas. Oder Zahnungsketten für Babies alternativer Mütter. Also eigentlich nichts für mich. Doch durch das Buch "Das Marzipanmädchen" kannte ich die Autorin bereits und da mich der erste Roman bereits so begeistern konnte, war klar, dass ich auch das neuste Werk "Die Bernsteinsammlerin" lesen wollte.
Mit einem Prolog, der über 200 Jahre vor der eigentlichen Geschichte spannend in das Buch einführt, bekam ich einen ersten Einblick in den harten Alltag eines Bernsteinfischers an der Königsberger Küste. Damals war das Behalten von gesammelten Bernstein verboten und wurde mit dem Tode bestraft. Doch so wurde ein wunderschöner Bernstein mit einer eingeschlossenen Eidechse zu einem Familienerbstück.
Anfang des 19. Jahrhunderts steigen wir dann in das Geschehen ein. Carsten Thurau und seine Frau gehören durch ihren Weinhandel zu der oberen Schicht der Lübecker. Leider können sie keine eigenen Kinder bekommen und so ist das Baby, das ihnen vor die Tür gelegt wird, ihnen so lieb wie eine eigene Tochter. Femke ist etwas anders als andere Kinder. Sie hat keine Freunde und erst der Bernsteindreher Meister Delius weckt in ihr eine Begabung, die sie durch ihr Leben begleiten soll. Doch Napoleon treibt in Europa sein Unwesen und so kommt der Krieg auch nach Lübeck.
Lena Johannson hat es wieder geschafft, mich mit ihrem Stil in ihren Bann zu ziehen. Die Geschichte des Bernsteins, die Märchen um seine Entstehung und dazu die Kulisse des historischen Lübecks waren wunderbare Zutaten in einem historischen Roman, der mich schon auf den ersten Seiten gefesselt hat.
Die vielen Nebenfiguren, die jedoch allesamt liebevoll gezeichnet waren und dazu der historische Hintergund, wie u.a. die Gründung des Seebads Travemünde, waren reinstes Lesevergnügen. Auch die Schilderung der Belagerung Lübecks durch die französischen Truppen war gut gelöst. Nicht zuviel Schlachtgetümmel, sondern eher die Beschreibung der Auswirkungen auf die Bevölkerung haben keine Langeweile aufkommen lassen.
Einziges Manko war der Schluß, den ich mir noch ausführlicher gewünscht hätte.
Das gibt von mir

Punkte.