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09. September 2010, 19:47:28


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Autor Thema: Die verborgene Kammer: Fragen an Corinna  (Gelesen 670 mal)
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Corinna
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« Antworten #30 am: 11. Juni 2009, 09:52:28 »

Übrigens monierte ja bei den Büchereulen jemand, dass doch Tagebücher mit wörtl. Rede merkwürdig seien - aber es gibt sie. Das beste Beispiel ist Anne Frank. Das fand ich bei dir also sehr glaubhaft gelöst, weil die Marie ja auch eine Schriftstellerin sein wollte.

Das ist hier auch angesprochen worden. Ich habe das gar nicht so als „Problem“ gesehen – weil ich in der Art geführte Tagebücher von mir selbst kenne. In meinen findet man haufenweise Dialoge. Nicht, weil ich Schriftstellerin bin (das war ich damals ja noch gar nicht und hatte auch nichts dergleich „geplant“), sondern weil ich das für mich selbst einfach einprägsamer fand. Ich wollte gern alles so genau wie möglich erinnern.

Aber... deine Idee mit Viktorias überschießender Fantasie war irgendwie nicht so mein Fall. Nicht wegen des Inhalts. Nicht wegen mangelnder Spannung, sondern einfach, weil ich fand, damit hatte sich die Story etwas festgefahren.
Da Viktoria so ausführlich fabulieren durfte, war klar, dass sie in etwa das traf, was wirklich passiert war. Für mich war das aus den Bildern jedoch so nicht ersichtlich, insofern war es doch extrem spekulativ, auch wenn Viktoria einen besonderen Draht zu den Zwillingen haben mag.
Ich hätte es also besser gefunden, wenn aus den Bildern schon deutlicher geworden wäre, was Viktoria dann aufgeschrieben hat.  So bleibt bei mir das Gefühl, dass es eben so sein musste, weil sie das so geschrieben hat. Gewissermaßen von der Autorin Corinna gewollt, die ja in Viktorias Welt die Regie führt.

Das stimmt natürlich. Die Autorin Corinna kannte ja schließlich das Ende und die Auflösung der Geschichte. Und danach habe ich Doro die Bilder malen lassen. Ich hatte es also viel einfacher als Viktoria. grins Aber da Doro sich ja selbst lange Zeit nicht darüber im Klaren war, was sich eigentlich genau abgespielt hatte, konnte sie auch nicht konkretere, auf den ersten Blick erschließbare Bilder malen (davon abgesehen wäre das ja auch für die Leser eher langweilig gewesen und  Viktoria und Roman hätten sich das ganze Spekulieren und Recherchieren sparen können…). Was jemand in Bilder hineininterpretiert bzw. was für jemanden „ersichtlich“ ist und was nicht, ist sehr indivduell, glaub ich (ich erinnere mich dunkel an Interpretationen aus dem Kunstunterricht), und das trifft ähnlich ja auch auf Bücher zu. Manche interpretieren etwas völlig anderes in einen Text hinein, lesen zwischen den Zeilen Dinge, die der Autor natürlich so – oder auch ganz anders gemeint haben kann.
Ich gebe Dir auf jeden Fall recht: Viktoria hat da schon sehr treffend interpretiert. grins Aber wie Du schon sagst, die ganze Passage wäre überflüssig gewesen, wenn sie komplett daneben gelegen hätte. Ich hätte dann auf einen anderen Ermittlungs-„Trick“ ausweichen müssen, was sicher auch möglich gewesen wäre. Dann hätten aber Doros Bilder nicht mehr eine zentrale Rolle in dem Roman gespielt - aber genau das sollten sie.

Was ich wirklich an der Kammer mochte, war schon die Gegenwartsgeschichte. Mir hätte es genügt, wenn sich die Vergangenheit aus kurzen Briefen, wenigen Textpassagen und besondes aus der wunderschönen langen Passage der Bilderbetrachtung ergeben hätte.
Ich hätte dafür favorisiert, wenn sich gegen Romanende die Story um Roman und Viktoria - und besonders um das Haus - noch zugespitzt hätte. Ideen waren mir dazu beim Lesen genug gekommen. 
Aber so ist das nun mal: Liest du etwas nicht selbst Verfasstes, musst du den Plot des Autors akzeptieren. Wer das nicht will, muss sich selbst an den PC setzen und viel Zeit investieren - und ist meistens wohl doch nicht recht zufrieden. 


Das ist ja auch das Spannende am Lesen (finde ich), dass einem selbst auch immer die tollsten Idee kommen (passend zu dem, was ich oben sagte, trifft das auch auf die Interpretationen zu). Wenn ich ein Buch lese und dabei nicht meine eigene Fantasie ausgiebig spielen lassen kann (auch wenn mich der Autor ggf. dann doch ganz woanders hinführt), ist es nur das halbe Vergnügen für mich als Leserin. Ideen kommen einem dabei haufenweise – übrigens ja auch beim Schreiben – und als Autorin finde ich es dann spannend zu hören, was andere denken/fühlen beim Lesen. Das ist mit ein Grund, warum ich so gern Leserunden mache.
Was die eigenen Ideen beim Schreiben betrifft, da kommen einem natürlich auch mehrere für den Plot-Verlauf. Man muss sich dann für eine Variante entscheiden. Oder, fällt mir gerade ein, man schreibt z. B. ein alternatives Ende und stellt’s für die Leser online oder so… grins
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Corinna
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« Antworten #31 am: 11. Juni 2009, 10:11:55 »

Zitat: man schreibt z. B. ein alternatives Ende und stellt’s für die Leser online oder so... Zitatende

Das könnte ich nicht. Für mich hat eine Geschichte exakt ein Ende. Beim Selbstschreiben bestimme ich es definitiv, wenn ich lese, muss ich hinnehmen, was mir vorgesetzt wird - darum schau ich hinten vorm Lesen immer auf die letzten Sätze, ob mir das Ende zusagt (aber nur in diesen Genre, wo mir etwas Happyendartiges wichtig ist). Mein Lesespaß wird nicht geschmälert, wenn ich weiß, sie kriegen sich. Die Idee mit Doro und Marie habe ich hingegen vorher nicht nachgeschaut, Ehrenwort, das gehört zu den Rätseln, die nur Spaß machen, wenn man sie sich lesend erschließt. 

Sollte ich ein Buch erwischen mit Ende, das mir nicht gefällt - tja, dann dichte ich mir im Kopf ein neues Ende. Aber so richtig befriedigend ist das nicht, weil ja das offizielle Ende in der Welt ist.

LG
Gefion

P.S. dass die Bilder so eine zentrale Rolle gespielt haben, gefällt mir übrigens sehr gut, weil ich nicht nur Küstenbücher liebe, sondern auch das Thema Kunst im Roman. Könnte ich mir ein Talent wünschen, so wäre es Malen. - Und dann musste ich beim Lesen deiner Kammer schmunzelnd ein wenig an einen Drei Fragezeichenkrimi mit Justus Jonas denken, den ich als Schülerin gelesen habe - da erzählten die Gemälde zusammen auch eine Geschichte zum Interpretieren.
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Corinna
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« Antworten #32 am: 11. Juni 2009, 11:17:01 »

Zitat: man schreibt z. B. ein alternatives Ende und stellt’s für die Leser online oder so... Zitatende

Das könnte ich nicht. Für mich hat eine Geschichte exakt ein Ende.

Das war auch nicht wirklich Ernst gemeint.  grins Für mich hat MEINE Geschichte auch ein definitives Ende. Punkt. Und so ist es gut für mich. (Was aber nicht heißt, dass man nicht gedanklich mit Alternativen spielen kann. Das tut man ja im Schreibprozess häufig.)

darum schau ich hinten vorm Lesen immer auf die letzten Sätze, ob mir das Ende zusagt

Im Ernst??? Das ist für mich ein absolutes No-Go! Ich würde NIEMALS das Ende eines Buches zuerst lesen.  winken
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Liebe Grüße
Corinna
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« Antworten #33 am: 11. Juni 2009, 12:02:59 »

 grins, ich taste mich gaaanz vorsichtig rückwärts Wort für Wort vor... dadurch gelingt es mir eigentlich immer, nicht zu viel zu erfahren, sondern nur, dass Sie und Er glücklich in die Zukunft abschwirren.
Und da ich diese Methode entwickelt habe, habe ich beim Schreiben meiner eigenen Romane ein Gegenmittel erfunden: Ich versuche, im letzten Satz so wenig Konkretes wie möglich unterzubringen. Also möglichst keine Namen nennen, sondern nur klar machen, dass alles in Butter ist. Als Leserin will ich genau das wissen, als Schreibende versuche ich also, genau das zu liefern.
Diese Methode gilt aber wirklich nur in diesem Genre, nicht für Krimis und andere Romane.

LG
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« Antworten #34 am: 12. Juni 2009, 20:15:01 »

Na, das will ich hoffen! Bei Krimis wäre das geradezu unverzeihlich!  grins

Ich habe übrigens was Vergleichbares bei der Kammer gemacht: Weil ich weiß, dass viele Leser gerne zuallererst das Nachwort lesen, konnte ich mir eine Warnung nicht verkneifen, weil hier wirklich schon ein bisschen was verraten wird. Wer's trotzdem zuerst liest, hat dann halt Pech gehabt! 
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Corinna
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« Antworten #35 am: 14. Juni 2009, 14:08:24 »

Hallo!

Zitat
Ich habe übrigens was Vergleichbares bei der Kammer gemacht: Weil ich weiß, dass viele Leser gerne zuallererst das Nachwort lesen, konnte ich mir eine Warnung nicht verkneifen, weil hier wirklich schon ein bisschen was verraten wird. Wer's trotzdem zuerst liest, hat dann halt Pech gehabt! 

Das fand ich übrigens super  klatschen
Mittlerweile schaue ich nämlich auch immer hinten in die Bücher rein um zu sehen ob es ein Glossar oder einen Stammbaum oder ähnliches gibht und manchmal linse ich auch ins Nachwort, und hier hat mich Dein netter Hinweis gleich davon abgehalten zu viel zu lesen!
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LG Inge

"Von den vielen bekannten Welten, die der Mensch nicht von der Natur geschenkt bekam, sondern aus eigenem Geist erschaffen hat, ist die Welt der Bücher die größte."

Hermann Hesse
Corinna
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« Antworten #36 am: 15. Juni 2009, 19:41:47 »

Ich ertappe mich oft bei historischen Romanen dabei, dass ich versucht bin, ins Nachwort zu sehen, weil ich gern wüsste, was wirklich historisch und was Fiktion ist. Dabei bin ich aber auch schon reingefallen und habe Dinge dort gelesen, die ich eigentlich noch nicht wissen wollte... Also: Aus Erfahrung wird man klug! 
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Liebe Grüße
Corinna
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