  | Verlag: Lyx Egmont ISBN-10: 3802581202 Seiten: 953 Ausgabe: Broschiert Deutsche Erstveröffentlichung: September 2007
Preis: EUR 16,95 |   | Verlag: Heyne ISBN-10: 3453522567 Seiten: 944 Ausgabe: Taschenbuch Deutsche Erstveröffentlichung: März 2009
Preis: EUR: 9,95 |
Inhalt:Das Land Terre d'Ange ist ein Ort unübertroffener Schönheit und Anmut. Seine Bewohner entstammen der Verbindung
von Göttern und Menschen und leben nach einer einfachen Regel: Liebe, wie es dir gefällt. Doch Phèdre, die seit ihrer
Geburt mit einem roten Mal im linken Auge gekennzeichnet ist, wird von ihren Eltern in eine Knechtschaft verschachert.
Aus dieser wird sie von Anafiel Delauney freigekauft, einem Edelmann, der als Erster erkennt, dass Phèdre eine
Auserwählte ist, getroffen von Kushiels Pfeil und dazu bestimmt, den Schmerz als Vergnügen zu erfahren. Phèdre wird
sowohl in den höfischen Künsten als auch in den Fertigkeiten des Schlafgemachs ausgebildet, vor allem jedoch erlernt sie
das scharfe Beobachten, Erinnern und Analysieren. Was sie zu einer ebenso talentierten Spionin wie Kurtisane macht.
Eines Tages stolpert Phèdre am königlichen Hof über eine Verschwörung, welche die Grundfesten ihres Heimatlandes bedroht.
Ein Verrat lässt sie die Fährte aufnehmen, Liebe und Ehrgefühl treiben sie weiter - bis an den Rand der Verzweiflung.
Der hasserfüllte Freund, der liebende Feind, der geliebte Meuchelmörder, sie alle können in dieser Welt eine glitzernde
Maske tragen, und Phèdre bekommt nur eine einzige Chance, all jene zu retten, die ihr lieb und teuer sind ...
Meinung:Der erste Band dieser Trilogie hat mir sehr gut gefallen, wohl auch deshalb, weil der Roman aus der Ich-Perspektive von Phèdre
erzählt wird. Nicht unerwähnt bleiben darf, dass das Buch vom Leser ein kleines bißchen 'Mitarbeit' einfordert.
Dies liegt daran, dass die gesellschaftlichen Gegebenheiten und Verhaltensmuster, beruhend auf einer Religiosität mit
Parallelen zum Christentum, sich erst im Laufe des Buches zu einem ganzheitlichen Bild erschließen. Zum Glück ist dem Roman
eine Karte und ein ausführliches Personenregister vorangestellt, ohne die ich verloren gewesen wäre.
Auf den ersten knapp 200 Seiten musste ich sehr, sehr oft nachschauen, wer jetzt wer ist, von welchem Haus wer abstammt,
ob Adel oder Nebenperson, wie und mit wem verwandt, ob noch lebendig oder schon verstorben, und so weiter und so weiter.
Tatsächlich spielen auch die bereits Verstorbenen noch eine gewichtige Rolle. Nachdem ich die Namen und Verwandschaftsver-
hältnisse irgendwann verinnerlicht hatte, und die Karte mehrere Dutzend Male studiert hatte, machte es dann richtig Spass.
Ich hasse es wirklich, gleich am Anfang den Faden zu verlieren, weil mir die Einordnung der Personen nicht gelingen will.
Delauney benutzt seine Schülerin, obwohl er Sie niemals dazu zwingt oder ermutigt, um an brisante Informationen seiner Wider-
sacher zu gelangen, die diese unter 'normalen' Umständen schwerlich preisgeben würden. Die Verfahrensweise ist immer dies-
selbe; es werden Angebote gemacht, Preise vereinbart, und Verträge unterschrieben. Phèdre ist total versessen auf diese Art
von Rendezvous mit Ihren Freiern, und als Anguisette bietet Sie Dienste an, die über das Prostituieren weit hinaus gehen.
Im ersten Drittel spukt einem immer wieder die Frage im Kopf, ob mit diesem übermächtigen Zwang, sich schlagen und
quälen zu lassen, schon die ganze Phédre präsent ist. Jacqueline Carey hat dies, so finde ich, recht gut gelöst, in dem Sie diesen
Wesenszug einerseits gut und überzeugend herausarbeitet, zum anderen jedoch nicht zuviel preisgibt und die Person an sich
sehr bedeckt hält.
Phédre lässt sich auf ganz harte Sachen ein, wobei die Schilderung dieser Praktiken aber niemals vulgär oder sonstwie
überzeichnet werden.
Die 'Dramatis Personae' bleiben alle ein wenig nebulös, ganz besonders Phèdre und ihr Beschützer. Das empfand ich aber nicht
nachteilig, war es so doch möglich, sich selbst sein Wunschbild zu malen. Vermutlich war dies Absicht, um noch Spielräume für die
beiden Folgebände (02. Der Verrat/03. Die Erlösung) zu haben.
Ihr neuer Herr und Lehrmeister, Delauney, welche dunklen Geheimnisse versucht er zu verbergen und welches Spiel spielt er?
Vernünftig genug jedenfalls, um Phèdre einen Bodyguard zur Seite zu stellen, einen cassilinischen Mönch, mit außerge-
wöhnlichen Kampftechniken. Ihn in Aktion zu erleben, der, ähnlich wie Phèdre, dies in einer Art Kunst ausübt, gab diesem Buch
noch einen besonderen Touch. Diese beiden völlig verschiedenen Menschen müssen um ihr Überleben kämpfen, als Sie einem
Verrat ihrer geliebten Heimat auf die Schliche kommen.
Die fantastischen Elemente halten sich in Grenzen. Handlungsort ist ein vielleicht modernes Europa zur Zeit der
Antike, könnte jedoch genauso gut spätes Mittelalter sein. Es gibt sogar gewisse gemeinsame Handlungsstränge mit dem
'Vermächtnis der Wanderhure' von Iny Lorentz, und gerade dieser Abschnitt las ich mit fiebriger Begeisterung.
Bewertung:Kritikpunkt ist der Einstieg in das Buch. Hat man diese Hürde dann erst einmal genommen, steht dem Lesevergnügen
nichts mehr im Wege. Auch die eine oder andere Wendung ging mir manchmal etwas zu schnell vonstatten (1/2 Buch Abzug);
dennoch, ein sehr spannender erster Teil, Fantasy mit zum Teil recht harten Sexualpraktiken, Kämpfe, Intrigen, und Personen,
die man lieb gewonnen hat und gerne wiedersehen möchte, und deshalb....
